Ankunft der Europäer und britisches Protektorat



Kurz vor der Ankunft der Europäer um 1500 können auch diverse politisch agierende Königreiche datiert werden. Die Tonga waren schon im Besitz verschiedener Siedlungen und betrieben regen Handel mit der Aussenwelt. Im Luangwa-Tal im Osten des Landes herrschten die Undi vom Volk der N’Gandu.
Im 17. Jahrhundert gründeten die Barotse in Südwestsambia das Reich der Lozi, deren herrschende Dynastie der Lozi-Könige bis in die Gegenwart hinein reicht.
Die ersten Europäer gelangten 1514 durch eine portugiesische Expedition ins Land und stiessen bis in die Gegend von Lusaka vor. Die Expeditionen waren ausschließlich einzelne Besuche von portugiesischen Reisenden – erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen die Europäer die Gegend intensiver zu besuchen. Auch arabische Reisende erreichten die zentralafrikanische Region – mit ihnen begann der Sklavenhandel, in welchem die Portugiesen als Geschäftspartner einstiegen. Die eigentliche Jagd auf Sklaven wurde den einheimischen Völkern überlassen – so konnten Lozi oder Bemba, Sklaven von Nachbarvölkern gegen Kleidung, Waffen oder Alkohol bei den Europäern eintauschen.
1851 betrat der schottische Arzt und Missionar David Livingstone das sambische Gebiet im Auftrag der London Missionary Society. Sein Ziel war die Missionierung der Kololo und anderer Völker, bei denen er zehn Jahre lebte. Sein missionierter Glaube sollte aus einer Mischung aus christlicher Religion und moderner Ökonomie bestehen, mit besonderem Fokus auf dem Ende der Sklaverei und dem Ersatz durch legitimen Getreide- und Baumwollhandel. Hierfür untersuchte er den Sambesi auf seine Transportfähigkeit – musste jedoch erkennen, dass sich dieser nicht als schiffbarer Fluss erwies und sein ökonomisches Modell nicht in die Tat umsetzen liess. Bei seiner Erforschung des Flusses stieß er 1855 auf die heutigen Viktoriafälle. Zu großer Berühmtheit gelangte David Livingston durch Henry Morton Stanley. Der Journalist begann 1870 eine medial aufgeputschte Suche nach dem angeblich verschollenen Livingstone, von dem es seit 1866 kein Lebenszeichen mehr gab. Mit den Worten „Dr. Livingston nehme ich an?!“ fand er David Livingstone in Ujiji – einem Dorf am Tanganjika See im heutigen Tansania. Diese und weitere Reisen Stanleys wurden von ihm niedergeschrieben. Jedoch war die Suche nach Livingstone durch die Veröffentlichung der Briefe Stanleys in englischen Gazetten die populärste Forschungsreise und setzte dem gesuchten Missionar ein umfassendes Denkmal.
Mit einem anderen Briten wurde die Fremdherrschaft über das heutige Sambia eingeleitet: Cecil John Rhodes. Der Gründer der British South African Company (BSAC) lebte in Südafrika und galt dort als reichster Mann. Seine Vision – eine Bahnverbindung vom Kap bis nach Kairo – sollte das britische Einflussgebiet in Afrika Richtung Norden ausdehnen und dabei auch seine Besitztümer und Minenschürfrechte erweitern. Von England erhielt er 1889 die Erlaubnis das Gebiet nördlich von Transvaal und östlich von Angola zu annektieren und selbst zu verwalten. Mit Verträgen wurden die dort lebenden Völker an das britische Protektorat gebunden sowie mit einer Hüttensteuer zu Arbeiten in den Minen der BSAC gezwungen. 1911 wurde das Protektorat Nordrhodesien ausgerufen, dessen Grenzen dem heutigen Nationalstaat Sambia entsprechen. Protektoratshauptstadt wurde Livingstone an den Viktoriafällen.
1924 übernahm die britische Regierung die Protektoratsverwaltung von der BSAC und räumte pro forma den Bewohnern ein günstigeren Status sowie ein Mitspracherecht ein. In der Realität war Nordrhodesien ein Apartheid System, in dem die geringe weiße Bevölkerung Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft inne hatte und die mehrheitliche schwarze Bevölkerung unterdrückte.
Im Copperbelt wurden in den dreißiger Jahren große Kupfererzvorkommen gefunden. Diese Entdeckung machte Nordrhodesien in kürzester Zeit zum größten Kupferproduzenten weltweit. Doch gerade die Minenproduktion sollte dem britischen System der „indirekt rule“ (Zusammenarbeit der britischen Administrative mit den Vorstehern der Bevölkerungsgruppen) gefährlich werden: ab dem Ende der dreißiger Jahre formierten sich die Minenarbeiter zu Protesten gegen geringe Löhne, Steuern und allgemeine Arbeitsbedingungen. Aus diesen Streiks entstand 1948 die erste Gewerkschaft – die African Miners Union.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung strömten verstärkt Siedler ins Land. Da die bisherige Hauptstadt Livingstone rein verkehrstechnisch gesehen ungünstig lag, fiel die Entscheidung bei der Suche nach einem neuen administrativen Zentrum auf Lusaka – eine bisher unbedeutende Bahnstation, jedoch in einer klimatisch angenehmen Region im Zentrum der Kolonie. Lusaka wurde 1935 offiziell zur Hauptstadt erklärt.
Nach den ersten Unruhen in den Minenzentren und der Gründung der African Miners Union, starteten gegen Ende der vierziger Jahre auch politisch engagierte mit der Parteienbildung. 1948 gründete sich der Northern Rhodesian Congress, welcher sich ab 1951 Northern Rhodesia African National Congress (ANC) nannte. Der spätere erste Präsident Kenneth Kaunda spaltete sich 1957 vom ANC mit der Splitterpartei United National Independence Party (UNIP), mit dem Ziel der Unabhängigkeit, ab. Nach dem Verbot der Partei und einer kurzen Gefängnisstrafe Kaundas entstand eine Parteienkrise, in der sich die liberale Partei von F. J. Moffat spaltete und die UNIP aus eben diesem liberalen Lager einige neue Mitglieder bekam.

Die letzte Etappe kolonialer Züge in diesem Gebiet Afrikas war die zentralafrikanische Föderation von Nord- und Südrhodesien (heute Simbabwe und Sambia) sowie Nyasaland (heute Malawi). Der Staatenbund der drei Länder sollte von 1953 bis kurz vor der Unabhängigkeit Sambias 1964 eine wirtschaftliche und politische Union mit einer eigenen Verfassung ermöglichen. Auch die Hoffnung einer Ausbremsung der Widerstandsbewegungen floss in die Föderation hinein. Jedoch blieben Diskriminierungen, geringe Löhne, keine Bildungsmöglichkeiten und kaum politisches Mitspracherecht trauriger Alltag in den Kolonien.
Der Widerstand der Bevölkerung wuchs immens und richtete sich nun gegen die weiße Minderheitsregierung sowie gegen die Föderation.
Die Wahlen von 1962, an der auch die wieder zugelassene UNIP antreten durfte, erwirkten eine Koalitionsregierung mit dem ANC unter Harry Nkumbula, welche im Jahr darauf die Föderation beendeten. Bei den Neuwahlen 1964 gewann die UNIP haushoch und war alleinige Regierungspartei. Am 24. 10. 1964 – dem heutigen Nationalfeiertag, wurde die Republik Sambia ausgerufen. Der erste Präsident der neuen Republik Sambia wurde Dr. Kenneth Kaunda.